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"Emmausweg":Adventsgedanken

Advent 2024 Vierte Woche
Ludwig Krag, Öl, 2002
Datum:
21. Dez. 2024
Von:
Pfarrer Ludwig Krag

Gedanken

Ludwig Krag, Öl, 2002

„Emmausweg“ ist der Titel des Bildes auf der Vorderseite.

„Emmaus“ in der Adventszeit? Geht das zusammen?

Johannes der Täufer wies auf Jesus hin, der unerkannt unter den Menschen war (vgl. Joh 1,26).

Die beiden Jünger erkannten den Herrn nicht, der mit ihnen auf dem Weg war (vgl. Lk 24,16).

Einen Weg deutet das Bild an. Viele Farben, Bewegung, kreisend angedeutet. Kreisen um sich selbst auf dem Weg. Auf dem Weg des Lebens. Farben wie aufgewühlte Gefühle, wie Feuer, das Herzen brennend macht. Bewegung, die auf vielerlei Weise den Blick verstellt. Durch Vordergründiges, durch Sensationen, die ablenken vom Sehen und Erkennen.
Bewegung, diagonal hin zum linken, oberen Bereich, hinein in das Rot der erkennenden Liebe.

Emmaus und Advent sind Weggeschichten.
Wege der Menschen mit Gott und auf Gott zu.
Sie erzählen, sie erinnern, sie weisen hin auf den Gott mit uns, den Gott des Weges. In Jesus hat Er sich als menschliche Person auf den Weg gemacht. Zu uns und mit uns. Oft ist Er der, der unerkannt in unserer Mitte steht, ist Er der stille Weggefährte.

Er drängt sich nicht auf, er lärmt nicht, um auf sich aufmerksam zu machen. Er steht da, wie einst am Ufer (vgl. Joh 21, 4-7). Sein da sein berührt das Herz. Wer Ihn kennt, wird Ihn erkennen.
Er geht mit. Wie damals nach Emmaus. Unerkannt und doch erahnt. Weil seine Nähe das verängstige Herz bewegt und erwärmt, ja sogar brennen macht.

In das Kommen Gottes in der Geburt Jesu ist schon der Emmaus-Weg, sind schon alle Emmaus-Wege miteinbezogen.

Im Kommen Gottes in der Geburt Jesu stellt Gott selbst sich uns auf den Weg und geht mit. Er ist der Gott mit uns, dessen Name lautet: „Ich bin der ich bin da“ (vgl. Ex 3, 14).
Er will gesehen und erkannt werden. Er lässt sich sehen und erkennen.

Nachdenkliches

Im Licht der Kerzen am Adventskranz will ich still werden.
Ich bitte den Herrn um Aufmerksamkeit und Wachheit.
Mit Ihm schaue ich auf meine Lebenssituation, auf meinen Lebensweg, wie er sich jetzt darstellt.

Ich bitte den Herrn erkennen zu können, was Er mir zeigen will in der Stille.

Vielleicht fällt es mir schwer, Ihn zu erkennen, der mitten unter uns ist. Vielleicht sehe und erkenne ich Ihn nicht. Kann vielleicht schwer glauben, dass Er da ist, weil so viel Dunkel um mich herum ist.
Ich kann Ihm das sagen, kann es aussprechen.

Vielleicht ist mein Leben im Moment ein „Emmaus-Weg“, auf dem ich vor etwas oder wegen etwas weglaufe.
Vielleicht laufe ich im Kreis und komme an kein Ende. Hoffend, dass der Herr mich nicht in die Irre laufen lässt, glaubend, dass Er mir nahe ist und bleibt.
All das kann ich dem Herrn sagen. Kann Ihn bitten, dass Er mein verunsichertes Herz beruhigt. Bitten, dass Er bei mir bleibt in der Dunkelheit des Tages und des Abends (vgl. Lk 24, 29).

Die stille Zeit im Licht der Kerzen schließe ich mit der Bitte, dass ich im Kind in der Krippe Gott finden und erkennen kann. Dass dieses göttliche Kind mein Herz berührt und brennen macht, wie das Herz der Emmaus-Jünger.
Dass sein Kommen und sein da sein mich mit fester Zuversicht und tiefer Freude erfüllen möge.

Gebetsvorschlag

Du Gott des Aufbruchs, segne uns,
wenn wir dein Rufen vernehmen,
wenn deine Stimme lockt, wenn dein Geist uns bewegt zum
Aufbrechen und Weitergehen.

Du Gott des Aufbruchs, begleite und behüte uns,
wenn wir uns von Gewohnheiten verabschieden,
wenn wir festgetretene Wege verlassen, wenn wir dankbar
zurückschauen und doch neue Wege wagen.

Du Gott des Aufbruchs, wende uns dein Angesicht zu,
wenn wir Irrwege nicht erkennen, wenn Angst uns befällt,
wenn Umwege uns ermüden, wenn wir Orientierung suchen
in den Stürmen der Unsicherheit.

Du Gott des Aufbruchs, leuchte auch unserem Weg,
wenn die Ratlosigkeit uns fesselt, wenn wir fremde Lande betreten,
wenn wir Schutz suchen bei dir,
wenn wir neue Schritte wagen auf unserer Reise nach innen.

Du Gott des Aufbruchs, sei mit uns unterwegs zu uns selbst,
zu den Menschen, zu dir.
Segne uns mit deiner Güte
und zeige uns dein freundlich Angesicht.
Begegne uns mit deinem Erbarmen, und leuchte uns mit
dem Licht deines Friedens auf all unseren Wegen. Amen

(Michael Kessler, Gotteslob 13,5)